Von der Tierärztekammer  Niedersachsen und Schleswig Holstein als Fortbildung für zertifizierte Hundetrainer anerkannt

Abendvortrag mit Thomas Baumann und Dr. Udo Ganslosser in Düsseldorf

Die Vielfalt der hundlichen Aggression –
von strategischer Klugheit bis zum emotionalen Kontrollverlust

Di. 15. Mai von 19 – 22 Uhr / Teilnahme 25,- €

 

Dr. Udo Ganslosser: 
Aggression ist , weil funktional, am Besten vom Endziel her zu definieren, oder von der Methodik die man dabei anwendet. 
Und so geht eine gebräuchliche Definition in den Verhaltenswissenschaften eben von Androhung oder Anwendung potentiell schädigender Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen, und vom Ziel der Wiederherstellung des eigenen äußeren und inneren Gleichgewichts, der Allostase aus.
Der Begriff der Allostase, der viel treffender ist als das früher gebräuchliche „Homöostase“ beschreibt schon daß es gleitend veränderbare Sollwerte gibt. 
Wer abends in die Disco geht hat eine andere Vorstellung von wünschenswerter Individualdistanz wie wenn er/sie auf einer Parkbank sich vor einer schwierigen Prüfung sammeln möchte. Und wird entsprechend anders auf Annäherungsversuche reagieren. 
Ebenso ist die Sozialkompetenz, die man in seiner Individualentwicklung erwirbt oder auch nicht, entscheidend für die Wahl der eingesetzten Mittel. Und auch die erblichen Verhaltensprogramme spielen eine Rolle. 
Nicht unbedingt (bei Hunden) wie heftig, aber durchaus womit man/Hund seinen Unwillen ausdrückt…

Thomas Baumann:
• ABC der Gefühle 
• Aggression als effektives „Vielzweckwerkzeug“
• Die Ursachenvielfalt der Aggression
• Unsicherheit, Furcht, Angst
• Frustration, Wut
• Lust und Vergnügen
• Schmerzen und Unwohlsein 
• Wichtige Unterscheidung: operante und emotionale Aggression
• Gut oder schlecht? Konstruktive und destruktive Aggression
• Einschreiten oder nicht? Offensive und defensive Aggression
• Wichtige Umgangsregeln bei hundlicher Aggression
Beschreibung:
In Fachkreisen ist man sich einig: Die Aggression des Hundes gilt als Kernmerkmal der sozialen Kompetenz! Ganauso, wie Feuer Wärme spendet, Wasser den Durst löscht oder ein Messer Brot schneidet, kann Aggression einen Beitrag zur Harmonie in einer sozialen Beziehung beitragen.
Doch Feuer, Wasser oder ein Messer können schlimme Schäden anrichten, wenn sie oder derjenige, der sie nutzt, außer (Selbst-)Kontrolle geraten sollte. 
Dass Hunde in bestimmten Situationen aggressive Verhaltensmuster zeigen können – und auch sollen, gehört ganz einfach zum sozialkompetenten Verhalten unserer Vierbeiner.
Der Versuch, aggressionsfreie Hunde zu züchten, würde definitiv in den Bereich der Qualzucht fallen, denn man würde einem Hund einfach ein wichtiges Werkzeug zur Kommunikation „wegzüchten“. Das wiederum würde der Tierquälerei gleichkommen.
Das Problem, mit dem jedoch viele Hundehalter leben, ist das fehlende Verständnis für aggressive Verhaltensweisen ihrer Vierbeiner. Dabei könnte es recht einfach sein, wenn man die Aggression des Hundes in zwei Bereiche unterteilt. 
Das wäre zum einen die KONSTRUKTIVE Aggression und zum anderen die DESTRUKTIVE Aggression. 
Bei einer konstruktiven Aggression steht nicht das Beißen oder Beschädigen von Menschen oder anderen Hunden im Vordergrund. Vielmehr geht es dem Hund darum, seinen Unmut oder auch Unzufriedenheit in einer bestimmten Situation zum Ausdruck zu bringen. Als bestes Beispiel sei das aggressive Knurren und Drohen genannt, wenn einem Hund ein Artgenosse zu sehr auf die Pelle rückt.
Die konstruktive Aggression ist nicht mehr als die Mitteilung an einen Kommunikationspartner, mit irgendeinem Umstand nicht einverstanden zu sein.
Hundehalter, die vehement gegen die konstruktive Aggression vorgehen (reglementieren, bestrafen), begehen grundsätzlich einen Fehler. 
Sie berauben ihren Vierbeiner einer wichtigen Kommunikationshilfe!
Ganz anders verhält es sich mit der destruktiven (beschädigenden) Form der Aggression. Hunde, die aggressives Verhalten aufzeigen und dabei tendenziell auch bissig vorgehen, sind zumindest kritisch, im Einzelfall sogar als gefährlich anzusehen. 
Sobald Menschen oder Tiere durch einen aggressiven Hund zu Schaden kommen, ist das sicher nicht mehr tolerierbar.
In diesen Fällen sind Hundehalter bei entsprechenden Vorkommnissen auch grundsätzlich mitverantwortlich für das Handeln ihrer Vierbeiner. Und dies auch unter rechtlichen Gesichtspunkten.
Bei aggressiv bissigen Hunden ist jeder Hundehalter zum Handeln verpflichtet. Ein sogenanntes „Anti-Aggressions-Training“ kann mit fachlich kompetenter Unterstützung in den allermeisten Fällen wertvolle Hilfe leisten.
Schuldzuweisungen gegenüber dem Hundebesitzer bezüglich der Ursachen für ein nicht angemessenes Aggressionsverhalten sind übrigens nicht nur unangebracht, sondern in sehr vielen Fällen auch definitiv falsch!
Um aber eine möglichst hohe Schadenssicherheit für das unmittelbare Umfeld gewährleisten zu können, ist grundsätzlich die optimale Gewöhnung an einen Maulkorb unerlässlich.

Referenten:

Dr. Udo Gansloßer, Priv.Doz. für Zoologie am Zool Institut und Museum der Univ. Greifswald und Lehrbeauftragter am Phylogenetischen Museum und am Institut für Spezielle Zoologie der Universität Jena, führt regelmäßig Kurse in Verhaltens- und Tiergartenbiologie durch, ist bekannt für seine äußerst kompetenten und unterhaltsamen Vorträge. Er wird auf spannende und verständliche Weise überGruppenmechanismen beim Hund aus biologischer Sicht referieren.

Der Verhaltensexperte Thomas Baumann ist Autor mehrerer Fachbücher und seit vielen Jahren speialisiert im Umgang mit schwierigen Hunden. Seine leidenschaft gehört dabei analytischen Komplexen, die sich sowohl auf das Konfliktverhalten des Hundes, als auch auf die jeweilige Mensch-hund-beziehung beziehen. Zusammen mit seiner Frau Ina gründete Thomas Baaumann die Tierschutzorganisation Dogworld Stiftung