Von der Tierärztekammer  Niedersachsen und Schleswig Holstein als Fortbildung für zertifizierte Hundetrainer anerkannt

Tagesseminar mit Robert Mehl, Psychologe in Düsseldorf

Bindung, Trauma und die transgenerationale Weitergabe von Traumata

Samstag, 25. März 2017 von 10 – 17 Uhr /

Menschen, aber auch Hunde, die Opfer von Gewalt, jeglicher Form von Mißbrauch oder lebensbedrohlichen Umständen wurden, leiden unter Umständen ein Leben lang unter den Folgen. Seltsamerweise zeigen häufig jedoch auch deren Nachkommen Symptome von Traumafolgestörungen oder unerklärliche psychische Auffälligkeiten. Das Phänomen der Weitergabe von erlittenen Traumata an die Nachkommen wird in der Humanpsychologie zunehmend erforscht. Auf der anderen Seite werden viele Hundehalter und –trainer zunehmend mit traumatisierten Hunden oder deren Nachkommen, häufig aus dem Tierschutz, konfrontiert.

Hunde und Menschen zeigen als Reaktion auf ein Trauma ähnliche Bewältigungsstrategien, entwickeln ähnliche psychische Symptome und Verhaltensprobleme und profitieren von ähnlichen Behandlungsansätzen. Daher nähern wir uns in diesem Seminar den Reaktionen auf ein Trauma aus humanpsychologischer, psychoanalytischer und neurobiologischer Perspektive und beleuchten dessen Auswirkungen nicht nur auf das Individuum selbst, sondern auch auf seine Nachkommen.

– Was ist ein Trauma und welche psychischen und neurobiologischen Reaktionen zeigen Individuen darauf?

– Welche Auswirkungen hat es auf die Welpen, wenn die Mutter in einer Massentierzucht oder unter schwierigen Bedingungen – auf der Straße, in schlechter Haltung oder im (ausländischen) Tierschutz – gelebt hat?

– Über welche Mechanismen wird maternaler (mütterlicher) Streß an die Welpen weitergegeben?

– Welche Rolle spielt die Epigenetik bei der Weitergabe von traumatischen Erfahrungen an die Nachkommen?

– Wie wirkt sich das Bindungs- und Erziehungsverhalten traumatisierter Mütter auf die psychische Entwicklung der Kinder aus?

-Welche Interventionen und Behandlungsansätze können den Nachkommen traumatisierter Mütter helfen und sind diese auf Hunde übertragbar?

Nicht jedes Individuum, das ein Trauma erlebt hat, entwickelt psychische Symptome als Reaktion darauf. Genauso findet man auch Nachkommen von traumatisierten Menschen bzw. Hunden, die keinerlei oder vergleichsweise wenig psychische Auffälligkeiten zeigen. Um dies zu erklären, befassen wir uns zuletzt mit dem Phänomen der Resilienz, der psychischen Widerstandsfähigkeit, und den wichtigsten schützenden Faktoren. Während einige genetisch festgelegt sind, können andere gezielt genutzt werden, um gefährdete Individuen zu stärken.

Das Seminar richtet sich an Hundetrainer und Hundehalter, die sich für die neurobiologischen Ursachen und intrapsychischen Zusammenhänge bei der Entstehung der transgenerationalen Traumatisierung bei Hunden und Menschen interessieren. Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung theoretischer Kenntnisse, die anhand von Beispielen anschaulich beleuchtet werden. Konkrete Fälle der Teilnehmer werden nicht besprochen. Das Seminar enthält keine praktischen verhaltenstherapeutischen Arbeiten und ersetzt keine Verhaltenstherapie und keine Ausbildung bei einem in der Behandlung von psychischen Störungen bei Hunden erfolgreichem Fachtierarzt bzw. Hundetrainer oder Ausbildungsinstitut.

Referent:

Robert Mehl ist Diplom-Psychologe und Kriminologe (M.A.). Er absolvierte therapeutische Zusatzausbildungen als „Systemischer Berater und Familientherapeut“ (DGSF) und für den „Professionellen Einsatz von Hunden in der Therapie“ („dogument“). Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Magdeburg mit dem Forschungsschwerpunkt „Neurobiologische Grundlagen von Aggression“ und Autor von neurowissenschaftlichen Fachartikeln. Danach arbeitete er als Systemischer Therapeut mit seiner von „dogument“ zertifizierten Therapiehündin in einer Jugendanstalt und derzeit als Psychologe in einer Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Er ist Dozent bei „dogument“.